Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden Württemberg - ifex

Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden Württemberg - ifex

Startseite / Basiswissen Unternehmensgründung / Finanzierung / Fremdkapital

Fremdkapital

Die klassische Art der Finanzierung ist der Bankkredit. Bankkredite erhalten Gründerinnen und Gründer von ihrer (zukünftigen) Hausbank. Neben den eigenen Krediten der Banken und Sparkassen gibt es auch verschiedene Förderkredite von speziellen Förderbanken wie der L-Bank in Baden-Württemberg oder der KfW Mittelstandsbank auf Bundesebene. Förderkredite haben oft lange Laufzeiten und tilgungsfreie Jahre. Auch die Förderkredite erhalten die Gründer bei ihrer Hausbank. Beachtet werden sollte, dass ein negativer Eintrag bei der SCHUFA Einfluss auf Kreditkonditionen haben kann. Detaillierte Auskunft erteilen die einzelnen Banken.

 

Auswahl der Hausbank

Wenn es um Bankkredite geht, sollten Sie nie das erstbeste Kreditinstitut wählen:

  • Bestehende Bankbeziehungen sollten genutzt werden:
    Als erste Adresse empfiehlt sich die Bank oder Sparkasse, bei der bereits eine Kontoverbindung besteht. Da die finanzielle Situation dort bereits bekannt ist, erleichtert das den Einstieg in die Verhandlungen, außer das Girokonto ist ständig überzogen.
  • Nicht jede Bank finanziert Unternehmen:
    Es gibt Institute, die sich ausschließlich auf das Privatkundengeschäft spezialisiert haben. Dort erhalten Existenzgründer grundsätzlich keine Kreditfinanzierung für ihr Unternehmen.
  • Regionale Institute finanzieren die meisten Gründungen:
    Sehr viele Gründungen werden von den regionalen Instituten wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken finanziert. Sie haben dadurch viel Erfahrung mit Existenzgründungen. Sie kennen sich auch mit den örtlichen Verhältnissen gut aus. Diese wissen zum Beispiel auch (meist aus eigener Erfahrung), welche Gründungen in ihrer Region in den letzten Jahren erfolgreich waren und welche nicht.
  • Bankbeziehung langfristig ausrichten:
    Viele kleine Unternehmen sind „ein Leben lang“ mit ihrer Hausbank verbunden. Wenn diese die Bank wechseln wollen, muss dies bei der neuen Bank erklärt werden. Die Hausbank sammelt im Laufe der Zeit Daten über die Finanzierungsgewohnheiten, zum Beispiel ob Kredite pünktlich zurückgezahlt wurden oder wie stark der Kontokorrentkredit beansprucht wurde. Diese Informationen gehen in das Rating ein, das Grundlage für eine weitere Kreditvergabe ist. Ohne diese Informationen wird der betrachtete Unternehmer automatisch in eine höhere Risikoklasse eingeordnet.
  • Nach branchenspezifischem Know-how der Bank fragen:
    Das ausgewählte Kreditinstitut sollte sich in dieser Branche und über den Finanzierungsbedarf auskennen. Es gibt Kreditinstitute, die sich auf eine bestimmte Zielgruppe spezialisiert haben, wie zum Beispiel die Ärzte- und Apothekerbank. Falls das Unternehmen zum Beispiel internationale Kunden hat und viel exportieren will, muss sich die Bank mit Auslandsfinanzierungen auskennen.
  • Vergleichen von Leistungen und Konditionen:
    Sie sollten bei den Krediten immer die Leistungen und Konditionen bei verschiedenen Instituten vergleichen und rechtzeitig über Kreditkonditionen verhandeln.
    Grundelemente einer Kreditfinanzierung

 

Unterscheidung nach verschiedenen Kreditformen

Investitionskredit
Finanziert werden Grundstücke, Gebäude, Baumaßnahmen, Anlagen, Maschinen, Einrichtungen, Fahrzeuge, Beteiligungen an Unternehmen, Unternehmenskäufe

Betriebsmittelkredit
Finanziert werden Aufstockungen des Warenlagers, Vorfinanzierungen von Aufträgen, Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen, Aufwendungen zur Markterschließung, Deckung von Umsatzausfällen und Verlusten

Kontokorrentkredit
Kreditrahmen für das Geschäftskonto für laufende Zahlungen

Avalkredit
Kreditrahmen für Bürgschaften, die die Hausbank zugunsten des Unternehmens übernimmt, zum Beispiel Gewährleistungsbürgschaften (falls die Bürgschaft nicht in Anspruch genommen wird, fließt bei einem Avalkredit kein Geld an das Unternehmen)

 

Finanzierungstipps

  • Vereinbarung eines Kontokorrentkredites:
    Ein Kontokorrentkredit ist der Kreditrahmen für das Geschäftskonto, über das alle laufende Zahlungen abgewickelt werden. Der Kontokorrentkredit ist mit einem Überziehungskredit für ein privates Girokonto vergleichbar. Bankleute sprechen auch von einem Dispositionskredit oder von der Kontokorrentlinie. Zinsen müssen nur gezahlt werden, wenn der Kredit tatsächlich in Anspruch genommen wurde. Der Kontokorrentkredit dient als kurzfristiges Finanzierungsmittel, nicht jedoch für Anlagegüter oder für langfristig gebundene Teile des Umlaufvermögens.
  • Die Laufzeit des Kredits sollte an der Nutzungsdauer ausgerichtet werden:
    Die Kreditlaufzeit sollte so lange gewählt werden, wie in etwa die Investition genutzt werden soll. Also zum Beispiel 5 Jahre bei einer Maschine, 3 Jahre bei einer Geschäftseinrichtung oder bei Fahrzeugen, 10 Jahre und länger bei einer Immobilie. Bankleute sprechen von „fristenkongruenter Finanzierung“. Als Faustregel gilt:
    Lange im Unternehmen verbleibende Investitionen z. B. Geräte, Maschinen oder Firmenfahrzeuge sollten mit langfristigen Krediten finanziert werden. Betriebsmittel, Waren, etc., also Sachen, die nur kurzfristig im Betrieb bleiben, sollten mit mittelfristigen Krediten finanziert werden.
  • Keine zu lange Laufzeit wählen:
    Gerade in der Anfangsphase kann es verlockend sein, eine lange Kreditlaufzeit zu wählen und so die Tilgungsraten niedrig zu halten. lmmerhin verbessern Sie so ihre Zahlungsfähigkeit. Aber eine langsame Tilgung verteuert Ihren Bankkredit. Erstens sind die Zinssätze für längere Laufzeiten etwas höher als für kurze Laufzeiten. Aber entscheidender ist, dass die Zinszahlung auf Basis einer wesentlich höheren Restschuld ausgerechnet wird.
  • Keine Finanzierung von Investitionen über den Kontokorrent:
    Dies ist einer der häufigsten Fehler bei der Finanzierung. Und diese Art der Finanzierung ist teuer. Die Zinsen für den Kontokorrentkredit liegen deutlich über denen eines Investitionskredits.

 

Besicherung von Krediten
Ohne Sicherheiten gibt es in der Regel keinen Kredit. Sicherheiten sollen das Risiko der Kreditinstitute begrenzen. Vereinfacht gesagt sind Sicherheiten Vermögensgegenstände (Sachen, Rechte, Forderungen), die ein Kreditnehmer der Hausbank zeitlich befristet zur Verfügung stellt. Falls der Kreditnehmer seine Zins- und Tilgungszahlungen nicht wie vereinbart leistet, kündigt die Hausbank die Kredite. Sie kann dann die Sicherheiten verwerten und ihren Ausfall mit dem erzielten Erlös decken.

Bei der Besicherung von Krediten haben sich im Laufe der Jahre bestimmte Gepflogenheiten herausgebildet, die als „bankübliche Besicherung“ bezeichnet werden. Dies bezieht sich darauf,

  • welche Formen der Besicherung verlangt werden
  • wie Kreditinstitute den relevanten Wert der Sicherheiten ermitteln
  • welcher Anteil der Kreditsumme über Sicherheiten abgedeckt sein muss

 

Formen der Besicherung

  • Verpfändung von Kapitalanlagen (Festgeld, Sparbuch, Wertpapiere, Aktien, Fonds), Bausparguthaben, Lebensversicherungen
  • Grundschulden auf Immobilien:
    Grundschulden müssen ins Grundbuch eingetragen werden. Sie sind nicht an einen bestimmten Kredit gebunden, können also auch für andere Forderungen als Sicherheit genutzt werden. Rein rechtlich gesehen ist eine Grundschuld im Übrigen nicht dasselbe wie eine Hypothek. Umgangssprachlich unterscheidet man hier nicht.
  • Bürgschaften von Dritten (Privatpersonen, Unternehmen)
  • Bürgschaft der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg
  • Sicherungsübereignung von Maschinen, Fahrzeugen etc.:
    Die Maschine gehört dann der Bank, Sie haben aber das Nutzungsrecht.
  • Abtretung von Forderungen gegenüber Kunden:
    Die Forderungen, die gegenüber Kunden stehen, werden abgetreten als Sicherheit an die Bank. Dies kann die Forderung aus einem einzigen Auftrag (meist aus einem Großauftrag, der mit Kredit vorfinanziert wird), oder es können sämtliche bestehende und zukünftige Forderungen aller Kunden sein.
    Häufig müssen Sicherheiten aus dem Privatvermögen gestellt werden, wenn die betrieblichen Sicherheiten nicht ausreichen.

 

Finanzierungsgespräch mit der Hausbank
Im Finanzierungsgespräch muss die Bank davon überzeugt werden, dass mit dem Unternehmen mittelfristig Geld verdient wird. Das ist das A und O des Gesprächs.

Banken sind von Natur aus vorsichtig und möchten ein möglichst geringes Risiko eingehen. Je kredit- und vertrauenswürdiger Sie sind, desto größer ist die Chance, den Bankkredit in der gewünschten Höhe zu erhalten. Die Bank möchte wissen, mit wem sie es zu tun hat, auf welcher Grundlage die Geschäftsidee beruht, wozu ihr Geld verwendet werden soll und ob eine Rückzahlung im vereinbarten Zeitraum möglich erscheint.

Eine sehr gute Voraussetzung ist die langjährige gute Beziehung zu der Hausbank. Dies sollte aber niemanden davon abhalten, auch Angebote anderer Banken zu prüfen. Im Vorfeld der Gründung sollte das Bankgespräch stattfinden, nicht erst wenn das Unternehmen dringend Geld braucht.

 

Tipps

  • Entwicklung eines schlüssigen und realistischen Geschäftskonzepts. Aufzeigen, wie die Idee erfolgreich vermarktet werden kann. Schreiben eines Businessplans.
  • Vorbereitung weiterer Unterlagen: Lebenslauf, Zeugnisse, Liste über Sicherheiten, Nachweis über vorhandenes Eigenkapital etc.
  • Vor dem Bankbesuch das Gespräch mit einem Gründungsberater suchen. Gründungsberatungen gibt es bei Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, kommunalen Wirtschaftsförderern und verschiedenen Gründungsinitiativen.
  • Bankangestellte überzeugt man (auch) mit Zahlen. Das Vorlegen einer Aufstellung des Kapitalbedarfs und eine Planung von Umsatz und Kosten (Rentabilitätsvorschau) sind hierfür sinnvoll.
  • Eine Finanzierungsplanung des Unternehmens mit einigen Sicherheitsmargen sollte durchgeführt werden. Dieser Planung sollten einmal optimistische Annahmen über die Geschäftsentwicklung und einmal pessimistische Zahlen zugrunde gelegt werden.
  • Über geeignete Förderkredite sollte man sich im Vorfeld informieren und bei der Bank gezielt nachfragen. Bedacht sollte hierbei werden, dass bei Förderprogrammen unbedingt die angegebenen Fristen eingehalten werden müssen (zwischen Antrag und Auszahlung können mehrere Wochen vergehen).
  • Ein Fachmann für Unternehmensgründung sollte hinzugezogen werden. Der Kreditsachbearbeiter einer kleinen Bankfiliale ist in der Regel der falsche Ansprechpartner. Viele Banken und Sparkassen haben eigene Teams für Existenzgründungen eingerichtet.
  • Verhandlungen sollten selbstbewusst, offen und ehrlich durchgeführt werden. Dies sollte mit guten Sachargumenten begründet werden.
  • Mit kritischen Fragen muss gerechnet werden. Diese Fragen sollten ruhig und gelassen beantwortet werden.
  • Vor dem Bankgespräch sollten keine Investitionen getätigt werden.
  • Auch nach der Kreditvergabe sollten enge Kontakte zu der Bank gehalten werden. Diese sollte regelmäßig Informationen über aktuelle Entwicklungen in dem Unternehmen erhalten. Das Rechnungswesen sollte hierbei immer auf dem neusten Stand sein.
  • Die Bank sollte als langfristiger Partner des Unternehmens angesehen werden.
  • Checklisten und Vorlagen für die Finanzplanung helfen bei der Vorbereitung des Gesprächs.

 

Hinweis: Einen Überblick über die Fördermöglichkeiten in Baden-Württemberg und bundesweit bietet erhalten Sie auf dem Portal von gruendung-bw.de hier. Daneben bieten die Industrie- und Handelskammern und  Handwerkskammern Baden-Württembergs in Zusammenarbeit mit den Förderbanken spezielle Sprechtage zu Programmen der Unternehmensfinanzierung an.

Weitere Informationen

Die ifex-XING-Gruppe bietet zielgruppengerechte und
interaktive Beratung. Alle
XING-Nutzer können in den Fachforen

  • Mikrofinanzierung
  • Innovationsgutscheine
  • Unternehmensnachfolge

ihre Fragen rund um diese Themen stellen.

Zur ifex-XING-Gruppe