Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden Württemberg - ifex

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Nebenerwerbsgründung

Die Nebenerwerbsgründung ist eine besondere Form der Kleingründung. Bei dieser Form sind Gründerinnen und Gründer hauptberuflich z.B. Angestellte und im Nebenberuf selbständig. Ebenfalls wird von einer Nebenerwerbsgründung gesprochen, wenn die Gründung keine so genannte Vollerwerbsgründung ist - d.h., wenn die Erträge nicht ausreichen, um den Lebensunterhalt vollständig zu bestreiten.

Vorteile und Nachteile
Die Nebenerwerbsgründung bietet den Existenzgründern viele Chancen, bringt aber auch Risiken mit sich.

Vorteile:

  • Minderung des Risikos
  • Geringer Finanzbedarf
  • Testphase (selbständig trotz festem Arbeitsverhältnis)
  • Geringerer Zeitbedarf als bei einem "full-time-Unternehmen"
  • Zusatzeinkommen zu dem Einkommen aus der Angestelltentätigkeit

Nachteile:

  • Mangelnde Qualifikation im Bereich der neuen Geschäftsidee
  • Ungenügende unternehmensbezogene Prüfung des Konzeptes
  • Probleme bei der Finanzierung und zu wenig Sicherheiten
  • Fehlende Ansprechpartner im Bankbereich

 

Besonderheiten

Sozialversicherung
Selbständige müssen in der Regel ihre Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung selbst bezahlen (Ausnahmen bilden Freie Berufe). Angestellte Nebenerwerbsselbständige zahlen, wie alle Arbeitnehmer, die Hälfte ihrer Sozialversicherungsbeiträge selbst und die andere Hälfte übernimmt der Arbeitgeber. Arbeitslose sind über die Bundesagentur für Arbeit sozialversichert.

Kammerbeiträge
Industrie- und Handelskammern: Gründerinnen und Gründer, die seit dem 1. Januar 2004 erstmals einen Gewerbebetrieb anmelden, sind im Gründungsjahr und im Folgejahr vom IHK-Mitgliedsbeitrag (Grundbeitrag und gewinnabhängige Umlage) befreit. Im dritten und vierten Jahr sind sie unter den folgenden Voraussetzungen von der Umlage befreit:

  • Es handelt sich um eine natürliche Person.
  • Es besteht kein Eintrag im Handelsregister.
  • In den letzten fünf Jahren vor der Betriebseröffnung bestand keine selbständige Tätigkeit.
  • Der Jahresgewinn liegt nicht über 25.000 Euro.

Dauerhaft freigestellt sind Gewerbetreibende, die weder im Handels- noch im Genossenschaftsregister eingetragen sind und deren Gewerbeertrag 5.200 Euro p.a. nicht übersteigt.

Handwerkskammern: Gründerinnen und Gründer, die seit dem 1. Januar 2004 erstmals ihr Gewerbe angemeldet haben, sind für das Jahr der Anmeldung von Beiträgen zur Handwerkskammer befreit. Für das zweite und dritte Jahr müssen sie nur die Hälfte des Grundbeitrags bezahlen und keinen Zusatzbeitrag. Für das vierte Jahr sind sie noch von der Entrichtung des Zusatzbeitrags befreit. Die Voraussetzungen hierfür sind:

  • Es handelt sich um eine natürliche Person.
  • Der Jahresgewinn liegt nicht über 25.000 Euro.

Dauerhaft freigestellt sind Gewerbetreibende, deren Gewerbeertrag 5.200 Euro p.a. nicht übersteigt und die nach § 1 Abs. 2 Nr.1 Handwerksordnung von bis zu drei Monaten erlernbare Tätigkeiten ausüben, wodurch sie entweder der IHK oder der HWK angehören.

Finanzierung

Viele Vorhaben können mit Mitteln aus verschiedenen Förderprogrammen finanziert werden. Es stellt sich jedoch die Frage, wie man in den Genuss dieser Fördergelder kommen kann:

  1. Erstellung eines schriftlichen Konzepts. Im Rahmen der Konzepterstellung ist auch die Frage nach dem Kapitalbedarf zu beantworten. Man weiß nun u. a., wie viel Geld wofür benötigt wird.
  2. Es werden auf jeden Fall Eigenmittel benötigt. Sind mindestens 15 Prozent des ermittelten Kapitalbedarfs in Form von Eigenkapital vorhanden? Aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen sollten etwa 1/3 Eigenkapital vorhanden sein, um konjunkturelle Talfahrten überstehen zu können.
  3. Nachdem man sich Klarheit über die Förderungsmöglichkeiten verschafft hat und das schriftliche Konzept ebenfalls vorliegt, wird ein Gesprächstermin mit der Hausbank vereinbart. Dieses wichtige Gespräch sollte gründlich vorbereitet werden.

Die meisten Fördermittel werden nur bei Gründung einer Vollexistenz gewährt. Wenn man sich nebenberuflich selbständig machen will, stehen jedoch die öffentlichen Förderprogramme „KfW-Gründerkredit - StartGeld“ und „Startfinanzierung der L-Bank“ zur Verfügung. Nähere Informationen zu diesen öffentlichen Förderprogrammen erhalten Sie auf dem Portal von gruendung-bw.de hier.

Zu beachten ist, dass öffentliche Fördermittel in Form von Darlehen immer über eine sogenannte Hausbank zu beantragen sind und, dass auf den Erhalt dieser Darlehen kein Rechtsanspruch besteht.

Rechtsform
Kleingründerinnen und -gründer starten am einfachsten als Einzelunternehmer. Es entsteht, wenn der Gewerbetreibende oder Freiberufler allein ein Geschäft eröffnet. Das Unternehmen muss beim Ordnungsamt der Kommune, in welcher das Unternehmen seinen Sitz haben soll, angemeldet werden. Tun sich mehrere Gründer zusammen, bilden sie automatisch eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts.

 

Welche Aufzeichnungen muss ein Kleinunternehmen führen?

Kasse
Die baren Geschäftsvorfälle (Einnahmen und Ausgaben), die mit dem Unternehmen zusammen hängen, sollen täglich vollständig in ein Kassenbuch eingetragen werden. Der Barbestand, der sich aus dem Kassenbuch errechnet, muss mit dem tatsächlichen Bestand an Bargeld übereinstimmen.

Wareneingang
Jeder Gewerbebetrieb ist verpflichtet, alle eingekauften Halb- und Fertigwaren, aber auch die Roh- und Hilfsstoffe, aufzuzeichnen (Datum, Lieferant, Warenbezeichnung, Preis, Beleg-Hinweis). Soweit keine doppelte Buchführung eingerichtet ist, muss ein Wareneingangsbuch geführt werden.

Warenausgang
Ein Warenausgangsbuch braucht nur geführt zu werden, wenn z. B. als Großhändler Waren an andere gewerbliche Unternehmen geliefert werden. Aufzuzeichnen sind Datum, Abnehmer, Warenbezeichnung, Preis, Beleg-Hinweis.

Gewinnermittlung
Eine vereinfachte Methode der Gewinnermittlung stellt die sogenannte Einnahmenüberschussrechnung (Gewinn = Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben) dar. Diese Methode ist steuerlich aber nur zulässig, solange das Finanzamt nicht feststellt, dass der Umsatz höher als 500.000 Euro oder der gewerblicher Gewinn höher als 50.000
Euro im jeweiligen Geschäftsjahr ist.

Steuern
Der Gewinn aus gewerblicher oder selbständiger Tätigkeit muss versteuert werden. Auf diese Weise partizipiert der Fiskus an der unternehmerischen Betätigung jedes Einzelnen. Bei Personengesellschaften sowie Einzelunternehmen unterliegt der Gewinn der Einkommensteuer, bei Kapitalgesellschaften der Körperschaftsteuer. Alle Gewerbebetriebe müssen
außerdem die Gewerbesteuer beachten. Um den Gewinn zu ermitteln, sieht das Steuerrecht entweder die Einnahmenüberschussrechnung oder die Bilanzierung/doppelte Buchführung vor.

Auch bei selbständigen Tätigkeiten im Nebenerwerb akzeptiert das Finanzamt keine auf Dauer anhaltenden Verluste. Anstelle einer Selbständigkeit wird hierbei eine so genannte „Liebhaberei“ unterstellt, für die es keine Steuererleichterungen gibt. Werden Betriebsausgaben steuerlich geltend gemacht, können diese bis zu einer Frist von acht Jahren ggf. zurückgefordert werden. Nebenerwerbsunternehmer müssen beide Einkünfte zusammen versteuern.

Tipps
Bei der Planung einer Nebenerwerbsgründung sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Die Geschäftsidee sollte mit geringen laufenden Kosten (z.B. Miete) und Investitionen (z.B. Büroausstattung) umsetzbar sein.
  • Es sollte auf eine solide Kalkulation und Preisbindung geachtet werden.
  • Es muss gewährleistet sein, dass das Unternehmen mit dieser Geschäftsidee tatsächlich stundenweise betrieben werden kann. Bei einem Einzelhandelsgeschäft ist dies z.B. unrealistisch.
  • Die Geschäftsidee sollte weiteres Entwicklungspotential aufweisen.
  • Auch Nebenerwerbsgründungen müssen beim Gewerbeamt angemeldet werden, weitere rechtliche Regelungen sind zu beachten.

Angestelltenverhältnis

  • Der Arbeitgeber regelt, ob und in welchem Umfang neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung eine Selbständigkeit ausgeübt werden darf.
  • In manchen Fällen muss der Arbeitgeber der zusätzlichen Selbständigkeit zustimmen.
  • Die Geschäftsidee darf nicht in Konkurrenz zum Unternehmen des Arbeitgebers stehen.
    Arbeitslosenverhältnis
  • Arbeitslosengeld wird nur gewährt, wenn die selbständige Tätigkeit 15 Wochenstunden nicht übersteigt.

Quelle: IHK Bodensee-Oberschwaben, BMWI