Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden Württemberg - ifex

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Steuerliche Aspekte

Existenzgründerinnen und Existenzgründer müssen deutlich mehr Steuerarten und -vorschriften beachten als Arbeitnehmer. Häufig haben sie bereits vor der Geschäftseröffnung/Selbständigkeit bzw. vor dem ersten Kontakt mit dem Finanzamt erste Ausgaben getätigt, z.B. für PC, Internetauftritt etc. Erfahrungsgemäß sollte sich ein Existenzgründer daher im steuerlichen Bereich mit folgenden Themen beschäftigen:

  • Anmeldeverfahren, erster Kontakt mit dem Finanzamt
  • den wichtigsten Steuerarten:
    - Einkommensteuer
    - Gewerbesteuer
    - Körperschaftsteuer
    - Umsatzsteuer
    - Sozialabgaben

Anmeldeverfahren, erster Kontakt mit dem Finanzamt
Das Anmeldeverfahren ist davon abhängig, ob die Existenzgründerin oder der Existenzgründer künftig eine freiberufliche oder eine gewerbliche Tätigkeit ausübt.

  • Als Gewerbebetrieb zählen Warengeschäfte, sonstige Handelsgeschäfte, Dienstleistungsgewerbe, Handwerk (§ 1 HGB).
  • Kein Gewerbe betreiben Land- und Forstwirte (§ 3 HGB) und Freiberufler (§ 18 EStG). Freien Berufen ist gemeinsam, dass ihre Dienstleistungen im Wesentlichen auf der persönlichen, besonders qualifizierten geistigen Leistung der Berufsträger beruhen und an den Interessen des Auftraggebers und nicht am eigenen wirtschaftlichen Vorteil ausgerichtet sind. Freiberufler sind z.B. Ärzte, Apotheker, Anwälte, Steuerberater, Unternehmensberater, Architekten, Heilpraktiker, Krankengymnasten, freie Kulturberufe.

Ein Gewerbe – nicht dagegen die freie Berufstätigkeit – ist bei der Gemeindeverwaltung derjenigen Gemeinde anzumelden, in der der Betrieb eröffnet werden soll (§ 14 Gewerbeordnung). Die Gemeindeverwaltung vergibt eine Gewerbesteuernummer.

Freiberufler müssen das zuständige Finanzamt über die Art ihrer Tätigkeit informieren; zuständig ist das Finanzamt, von dessen Bezirk aus die Berufstätigkeit vorwiegend ausgeübt wird (§ 18 Abs. 1 Nr. 3 AO). Bei Gewerbetreibenden erhält das zuständige Finanzamt von der Gemeindeverwaltung eine Durchschrift der Anmeldung. Zuständig ist das Finanzamt, in dessen Bezirk die Existenzgründer oder der Existenzgründer seinen Betriebssitz hat (§ 18 Abs. 1 Nr. 2 AO).

Das Finanzamt sendet daraufhin der Existenzgründerin oder dem Existenzgründer einen Fragebogen zur Betriebseröffnung zu. Anhand der Angaben des Betriebseröffnungsbogens legt das Finanzamt fest, ob und ggf. in welcher Höhe Vorauszahlungen auf Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer und Gewerbesteuer zu leisten sind.

Einkommensteuer
Gegenstand der Einkommensteuer ist das Einkommen natürlicher Personen (§ 1 EStG). Derzeit unterscheidet die Einkommensteuer sieben Einkunftsarten. Je nachdem, ob Sie als Einzelunternehmer oder Gesellschafter einer Personengesellschaft, als Freiberufler oder als Land- und Forstwirt tätig wird, haben Sie

  • Einkünfte aus Gewerbebetrieb (§§ 15 – 17 EStG),
  • Einkünfte aus selbstständiger Arbeit (§ 18 EStG) oder
  • Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft (§§ 13 – 14a EStG).

Bei diesen drei genannten Einkunftsarten ist der Gewinn die Besteuerungsgrundlage, weshalb sie als Gewinneinkunftsarten bezeichnet werden.

Haben Sie neben dieser Tätigkeit noch weitere Einkünfte, z. B. aus Vermietung und Verpachtung, so ist Ausgangsgröße der Besteuerung die Summe der Einkünfte.

Solidaritätszuschlag
Seit 1995 wird zur Einkommen- und Körperschaftsteuer ein Solidaritätszuschlag als Ergänzungsabgabe erhoben, um die neuen Bundesländer finanziell zu unterstützen. Er beträgt derzeit 5,5 % der festgesetzten Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer.

Gewerbesteuer
Wer Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielt, unterliegt neben der Einkommen- oder Körperschaftsteuer noch der Gewerbesteuer. Diese wird in der Steuerrechtswissenschaft als sog. Objektsteuer bezeichnet: denn besteuert wird das Objekt „Gewerbe“; Freiberufler und Land- und Forstwirte sind also von ihr befreit.

Körperschaftsteuer
Sie ist eine besondere Art der Einkommensteuer für juristische Personen (z.B. AG, GmbH). Was als Einkommen gilt und wie es zu besteuern ist, bestimmt sich nach dem Einkommensteuergesetz (§ 8 Abs. 1 KStG), wobei aber im Gegensatz zur Einkommensteuer alle Einkünfte als solche aus Gewebebetrieb behandelt werden (§ 8 Abs. 2 KStG). Der Steuersatz für einbehaltene und ausgeschüttete Gewinne beträgt einheitlich aufgrund der Reform durch das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 15 % (bis Veranlagungszeitraum 2007 25 %); eine Progression wie bei der Einkommensteuer gibt es hier nicht.

Umsatzsteuer
Die Umsatzsteuer (USt) hat einen eigenen Unternehmerbegriff, der weiter gefasst ist als der des Gewerbetreibenden im Einkommen- und Gewerbesteuerrecht. Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuergesetzes ist, wer eine Lieferung oder sonstige Leistung gegen Entgelt selbstständig und nachhaltig ausführt (§ 2 UStG); Gewinnerzielungsabsicht muss nicht gegeben sein.
Eine Kleinunternehmerregelung (Umsätze im vorangegangenen Jahr unter 17.500 € und im laufenden Jahr nicht über 50.000 €) verschont sie allerdings vor den Pflichten des Umsatzsteuergesetzes.

Die Umsatzsteuer ist eine Verbrauchsteuer, mit der der gesamte private und öffentliche Verbrauch (Güter und Dienstleistungen) besteuert wird. Der allgemeine Steuersatz beträgt 19 %, der ermäßigte (z.B. für Lebensmittel und Bücher oder kurzfristige Beherbergung) 7 %. Man nennt die Umsatzsteuer auch Mehrwertsteuer, weil bei einer Kette von Lieferungen nur der jeweilige Mehrwert besteuert wird, indem die dem Unternehmer von anderen Unternehmern in Rechnung gestellte Umsatzsteuer vom Finanzamt wieder erstattet wird. Die Differenz aus gezahlter Umsatzsteuer und abziehbarer Vorsteuer muss vom Unternehmer selbst errechnet und an das Finanzamt abgeführt werden (sog. Umsatzsteuer-Voranmeldung). Existenzgründerinnen und Existenzgründer müssen solche Umsatzsteuer-Voranmeldungen während der ersten beiden Jahre grundsätzlich monatlich abgeben, und zwar auf elektronischem Wege.

Sozialabgaben
Für Arbeitnehmer erledigen sich ihre Sozialversicherungspflichten automatisch im Rahmen ihrer Lohn- oder Gehaltszahlung. Selbstständige Unternehmerinnen und Unternehmer müssen auch hier vieles bedenken. Einerseits müssen alle Versicherungen nun eigenverantwortlich organisiert und vollständig aus der eigenen Tasche gezahlt werden, da ein Arbeitgeberzuschuss entfällt. Andererseits entstehen zusätzliche Verpflichtungen, sobald im Betrieb Arbeitnehmer beschäftigt werden. Hier müssen regelmäßig deren Lohnsteuern und Sozialversicherungsbeiträge abgeführt werden. Zudem können die Verhältnisse bei der Beschäftigung von Mitarbeitern Auswirkungen auf die eigene Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung haben.

Rechtsstand: 01. Januar 2014, Quelle: Steuerberaterkammer Stuttgart  

Tipp: Das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg hat speziell für Existenzgründer den  Ratgeber "Steuertipps für Existenzgründer" herausgegeben, der eine erste Orientierung insbesondere zu den steuerlichen Fragen geben soll.

Verständlicherweise kann dieser Ratgeber nicht alle steuerlichen Probleme erschöpfend behandeln. Auf weitere Fragen erhalten Sie vom für Sie zuständigen Finanzamt Auskunft.
Für konkrete Auskünfte steht Ihnen Ihr zuständiges Finanzamt zur Verfügung. Das Finanzamt kann aber nur insoweit Hilfe leisten als es nicht in Konkurrenz zum steuerberatenden Beruf tritt. Fragen zum Verfahrensrecht (z.B. Fristberechnungen) sind uneingeschränkt zulässig. Fragen des materiellen Rechts bleiben dagegen grundsätzlich dem steuerlichen Berater vorbehalten.
Im Behördenwegweiser finden Sie alle Finanzämter in Baden Württemberg. Wenn Sie in service-bw bereits einen Ort gewählt haben ("Ort wählen"), gelangen Sie direkt zu dem für Sie zuständigen Finanzamt.

Im Portal der Finanzämter in Baden-Württemberg stellt die Steuerverwaltung weitere Informationen zur Verfügung: Internetformulare und eine Zusammenstellung von oft gestellten Fragen und den dazugehörigen Antworten (FAQ) wie beispielsweise  FAQ zu Abgabefristen für Steuererklärungen,  FAQ zu Existenzgründer und FAQ zu Zahlung von Steuern.

Zu den Verfahren

    Einkommensteuer 
    Gewerbesteuer 
    Körperschaftsteuer 
    Lohnsteuer 
    Umsatzsteuer