Gründung BW
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07.03.2016
Gründerinnen in Baden-Württemberg: Mehr Mut tut gut

13,5 Prozent aller Firmengründungen im Südwesten werden laut einer Sonderauswertung des Gründungsmonitor 2015 für Baden-Württemberg, den das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der L-Bank durchgeführt hat, von Frauen vorgenommen. Immerhin. Aber viel zu wenig. Mehr Mut täte gut – den Frauen und der Wirtschaft im Südwesten.

Ein Vorbild ist Ute Binder aus Vöhringen in der Nähe von Stuttgart. Sie hat den Mut aufgebracht und ihr eigenes Unternehmen gegründet. Dabei stand für sie schon immer fest, dass sie zunächst überall mal reinschauen, aber irgendwann mal ihre eigene Chefin sein wollte: „Ich wusste schon immer, dass ich nicht in einer Firma vorgegebene Entwürfe umsetzen, sondern mein ganz eigenes Ding verwirklichen wollte“, blickt Ute Binder auf die Jahre vor ihrer Gründung 2013 zurück. „Denn mein Lebenstraum war immer: die eigene Kreativität, die eigenen Entwürfe umzusetzen, selbst zu produzieren und zu vermarkten.“

Nach dem Abitur absolvierte die heute 31-jährige eine Schneiderlehre und studierte anschließend Mode- und Textildesign an der Hochschule in Reutlingen. Dabei lernte sie auch die Praxis kennen, unter anderem im Ausland bei einem isländischen und einem niederländischen Designer. „Irgendwann war mir klar: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für meine Unternehmensgründung.“ Und: „Wenn man etwas will, muss man es zügig machen, sonst wird es nichts mehr.“ Daraus ist 2013 das Unternehmen RobeCode entstanden. Vordergründig bietet die Firma extravagante und limitierte Designermode für Frauen an, doch wer genauer hinschaut, entdeckt über die attraktiven Äußerlichkeiten hinaus noch weit mehr „eigenes Ding“.

So wird die Kollektion aus Sweatern, Jacken, Leggings, Shirts und Accessoires unter anderem aus recycelten PET-Flaschen und Hightech-Fasern aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. „Fühlt sich an wie Baumwolle“, meint Ute Binder, „ist aber in der Herstellung wesentlich umweltschonender, wenn man bedenkt, dass für ein einziges T-Shirt aus Baumwolle 2.000 Liter Wasser verbraucht werden.“ Viele Kunden finden es auch gut, dass die Produktion nach Möglichkeit regional in Baden-Württemberg, auf jeden Fall aber in Deutschland stattfindet. Die auffälligste Besonderheit ist aber die Verbindung von Kleidung und viralem Online-Marketing: Jedes Stück hat seinen eigenen QR-Code. Damit können die Träger das Kleidungsstück nicht nur mit den sozialen Netzwerken verknüpfen. Vielmehr gibt es einen nachträglichen Rabatt, wenn eine andere Person sich für die Kleidung begeistert und unter Hinweis auf den QR-Code bestellt. Und wer so bestellt, bekommt sogar noch einen Nachlass auf den Kaufpreis.

Das Unternehmen konnte 2015 seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppeln und will nun stärker in den Handel gehen. „Bei Kleidung wollen viele Kunden nicht nur im Onlineshop kaufen, sondern die Ware auch anfassen“, begründet Uli Binder, Mitgründer von RobeCode und der Bruder von Ute Binder, diesen Schritt. Als Molekularer Biotechnologe hat er die Entwicklung und Produktion der hochwertigen Stoffe organisiert und ist für das Rechnungswesen zuständig. Auch durch diese Verbindung von Modedesignerin und Molekularem Biotechnologe ist es „ein ganz eigenes Ding“ geworden, meint Ute Binder, denn bei allem Selbstbewusstsein: „Ob ich mich das ganz allein getraut hätte, das weiß ich nicht.“

Mehr Informationen unter www.l-bank.de/gruender und bei der Hotline der L-Bank Wirtschaftsförderung (0711 122-2345; wirtschaft(at)l-bank(dot)de)

Mehr Informationen zu RobeCode unter www.robecode.com